17. Juli 2010

Nach langer Zeit will ich heute einmal wieder eine Analyse vorstellen. Diesmal geht es um den Euro zum Dollar (EURUSD).
Wir untersuchen den Future und beginnen zunächst mit der Positionierung der Marktteilnehmer und dem Sentiment, also der Stimmung unter den Marktteilnehmern, ehe wir uns der Chart- und Markttechnik widmen .

Euro

Wir untersuchen zunächst die COT-Daten (Commitment of Traders), welche von der SEC zur Verfügung gestellt werden. Details dazu unter http://www.wellenreiter-invest.de/cot.html.

Mitte Juni 2010 erkennt man einen Rückgang des Open Interests, also der Anzahl der offenen Kontrakte. Man erkennt, daß die Commercials Ihre Long-Engagements zurückfahren und gleichzeitig die Large Speculators Ihre sehr großen Short Positionen zurückkaufen, ebenso wie die Smal Speculators.
Es handelt sich also um ein Short Covering. Dies kann noch eine Weile weitergehen, wenngleich schon viel Übertreibung in die eine Richtung abgebaut worden ist.

Auf Seiten des Sentiments erkennen wir, daß das Larry Williams Sentiment auf einem oberen Extremwert angekommen ist, welcher in Vergangenheit fast immer ein guter Zeitpunkt für einen Verkauf war. Von dieser Seite ist also Vorsicht geboten.
Das Genesis Sentiment befindet sich im neutralen Bereich. Beide werden übrigens über Umfragen ermittelt.

Doch nun zur Charttechnik.

Euro

Auf diesem Chart sind Price-Level-Profile dargestellt, aus denen man entnehmen kann, an welchen Marken wieviel Volumen in der Vergangenheit umgesetzt wurde. In Investox lässt sich dies mit dem Tool Markt Plus! darstellen. Ebenso sind Monats- und Wochen-Pivots enthalten, sowie eine lange und eine kurzer Fibonacci-Analyse von den beiden letzten großen Abschwüngen. Dazu kommen noch spezielle statistisch relevante Levels, wie ich sie in Chicago an der Börse gelernt habe.

Man erkennt nun wichtige Levels aus Volumensicht im Bereich 1.19, 1.26, 1.28 und 1.35 und 1.36.
Der Bereich ab 1.30 ist mit ziemlich schmalen Volumen gefüllt. Der einzige Widerstand ist das 61,8% Retracement aus dem letzten Abschwung. Wird diese Marke überwunden ist der Weg nach oben frei bis 1.31. Hier ist das Low vom 28. April 2010. Doch auch dieser Widerstand erscheint aus Volumensicht nicht allzu groß. Die nächste Hürde ist bei 1.33 druch Lows vom 25. März und 8. April. Hier ist schon mehr Volumen und es könnte zu Rücksetern kommen. Schafft der Euro es aber die 1.30 zu überwinden, so sollte schnell die 1.32 erreicht werden.
Und sollte es der Euro dann noch durch den Bereich um die 1.33 kommen, so wäre ein Durchmarsch bis 1.35 möglich.

 

16. Oktober 2008

Die Aktienmärkte scheinen ja im Moment nur noch rauf und runter zu gehen. Bei mir beginnt der Tag immer mit einem Blick auf die asiatischen Märkte und auch auf spiegel.de. Heute morgen liest man hier: Asiens Börsen im Sturzflug - Nikkei verliert fast zehn Prozent.
Der nächste Schritt ist dann, sich einen Intraday-Chart anzusehen.

Nikkei2

Die Frage die sich nun stellt ist, lohnt es sich bis 2 Uhr Nachts unserer Zeit auf zu bleiben und zu versuchen diese Bewegung zu handeln?

Um es gleich vorwegzunehmen: Nein, es lohnt sich nicht. Warum? Nun, den Index kann man nicht handeln. Was man aber handeln kann ist der Future.

Sehen wir uns als nächstes einen Chart mit dem E-Mini Future und dem Nikkei-Future in Singapur an. Weiß ist der asiatische Markt, blau der US-Markt. Beide sind quasi in der Reihenfolge ihrer Handelszeit eingetragen.

Und siehe da, man kann gut erkennen, daß der Nikkei-Future nicht die Abwärts-Bewegung des Indexes mitgemacht hat, sondern einfach nur tiefer eröffnet. Er hat also die Abwärtsbewegung der US-Märkte eingepreist und dann eröffnet.
Auch sieht man schön, daß die Asiaten mehr nach unten hin übertrieben haben und diese Übertreibung wird dann in den ersten Handelsstunden wieder nach oben korrigiert.

Nikkei und ES

 

10. Oktober 2008

Die Aktienmärkte scheinen sich zur Zeit im freien Fall zu befinden. Um potentielle Support-Zonen zu finden, eignet sich eine besondere Art von Chartauswertungen, nämlich die sogenannte Histogrammanalyse. Dabei wird das Volumen über einen längeren Zeitraum mit dem Kurs in Verbindung gebracht und grafisch dargestellt. Man kann also schnell sehen bei welchem Kurs das höchste Handelsvolumen aufgetreten ist.
Dies sind meist Bereiche die nicht sofort “durchhandelt” werden.

Die Grafik zeigt den nicht adjustierten DAX-Future. Je dunkler die Histogrammfelder desto neuer sind die Volumen, je heller desto älter.
Man erkennt schön, daß die Widerstände um 5700 einfach durchbrochen worden sind. Die nächsten größeren Widerstände sind eingezeichnet und es muß sich nun zeigen, wo der DAX ein Halten finden wird.

DAX Histo

 

20. Juli 2008

Nachdem der Preisanstieg für Benzin und Diesel ja in aller Munde ist und die erste Frage, wenn man sich ein neues Auto gekauft hat ist, wieviel braucht der denn, wollte ich mir mal anschauen, wie sich genau die Treibstoffpreise in den USA und hier bei uns entwickelt haben.

Als Referenz für den Treibstoffpreis in den USA verwendete ich den Benzin Future an der NYMEX RBOB (Reformulated Gasoline Blendstock for Oxygen Blending). Da dieser erwartungsgemäss in Gallonen berechnet wird, normierte ich auf Liter.
Als nächsten Schritt wurde dieser Wert in EUR umgerechnet um den eigentlichen Preis für Benzin bei uns zu haben. Weiter ging es dann mit der Beaufschlagung der so erhaltenen Zeitreihe mit dem Mineralölsteuersatz (seit 1. Janur 2003 65,40 Cent) und der Mehrwertsteuer.
Mit diesem Modell kommt man sehr gut an die Benzinpreise in Deutschland heran:
RBOB in Liter umgerechnet auf EUR plus Mineralöl- und Mehrwertsteuer = Preis in Deutschland.

Sieht man sich nun den Chart von 2007 bis jetzt an, so stellt man fest, daß für uns der Benzinpreis um runde 20% gestiegen ist, während für die Amerikaner eine Steigerung von über 100% stattgefunden hat.

Benzinpreis kurz

Das erklärt natürlich auch, warum die Lage für die Amerikaner weit dramatischer ist, als für uns. 
Sieht man sich den Verlauf seit 2003 an so nimmt diese Dramatik noch zu , denn hier verzeichnen wie eine Preissteigerung um ca. 36%, wohingegen die Amerikaner eine Steiherung von 350%

Die dünnere rote Linie ist der Benzinpries in EUR ohne Steuern. Man sieht deutlich, daß der hohe Anteil an der Mineralölsteuer natürlich einen dämpfenden Effekt bei der Preissteigerung hat.

Benzinpreis lang

 

21. Januar 2008

Über die Weihnachtsferien 2007 hatte ich alle, bis auf die strategischen Langfristpositionen aufgelöst, so dass ich mit sehr viel Cash ins Jahr 2008 ging.

Leider war mein Research, das ich über die Feiertage betreiben wollte, aufgrund eines Festplattenchrashes meines Hauptrechners und den damit verbundenen Reparaturen, zu kurz gekommen. Zum Glück war es nur eine Platte auf der Videos gespeichert waren. Dennoch nahm die komplette Reparatur zehn volle Tage in Anspruch. Mittlerweile läuft der Server mit einem RAID1, also mit Spiegelplatten, und führt jede Nacht ein Backup durch.

Quasi taggenau zu Beginn des neuen Jahres gingen die Aktienmärkte in eine Abwärtsphase. Am Montag, den 21. Januar war ich für drei Tage auf einem Workshop am Tegernsee und konnte die Märkte nicht aktiv verfolgen. Ich hatte morgens eine StopSell Order in den Sojabohnen in den Markt gelegt, da ich mit einem Einbruch rechnete.  Bestätigt wurde mein Research von Larry Williams.

Leider hatte ich die Order GTD eingestellt und da am Montag in Chicago kein Handel aufgrund eines Feiertages stattfand, wurde die Order Montag Nacht gestrichen.

In Asien waren die Märkte stark eingebrochen und als der Handel in Europa startete begannen auch hier die Märkte stark zu fallen. Besonders schlimm traf es den Dax. Da ich am Morgen noch in der Firma war und gegen Mittag zum Tegernsee fuhr, hatte ich von alledem nicht wirklich viel mitbekommen.

Im Hotel in Tegernsee konnte ich es aber in der Lobby bei n-tv sehen. Von Zeit zu Zeit ging ich in den Pausen des Workshops zum Fernseher und konnte den brutalen Einbruch verfolgen.

 

Was ich zu der Zeit nicht verstehen konnte, war, daß die europäischen Märkte so stark fielen ohne daß die amerikanischen Märkte beteiligt waren.

Später las man, dass die Societe General eine Position von 140.000 Dax Futures Kontrakten ihres  Traders Jerome Keriviel über drei Tage (21. bis 23. Januar)  auflöste, weil diese ungenehmigte Position schief lag.

Diese Position hatte also einen Gegenwert von ca. 50 Milliarden €, wofür man allein eine Margin in Höhe von ca. 1,4 Milliarden € hinterlegen musste.

 

Am nächsten Tag konnten sich die Märkte stabilisieren, fielen aber am 23. Januar erneut. Die US-Märkte kamen dabei übrigens relativ glimpflich davon. Am 24. Januar setzte eine größere Gegenreaktion ein und die Märkte stiegen.

Sehr interessant war die Tatsache, dass am Tag nach den Einbrüchen als die amerikanischen Börsen wieder geöffnet waren, die Rohstoffe ebenfalls fielen.

 

Bis zu unserem Pit-Trader Workshop in Frankfurt am darauf folgenden Wochenende konnte ich mir eigentlich keinen richtigen Reim darauf machen.

Hier erfuhr ich, dass der Grund höchstwahrscheinlich daran liegt, dass viele große Markteilnehmer mit Ihren Positionen schief lagen, da sie einen derartigen Einbruch nicht erwartet hatten. Infolgedessen stiegen ihre Marginbelastungen sehr stark an. Um diesen nachkommen zu können, mussten also Gewinnpositionen aus anderen Assetklassen liquidiert werden.

Nachdem die Rohstoffe schon eine Weile recht gut gelaufen waren, lag es auf der Hand hier Positionen aufzulösen.

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